Radikale und sanfte Veränderungen


Geht nicht mehr. Es gibt Wendepunkte im Leben, an denen wir merken, das was bisher okay war, geht einfach nicht mehr. Eine neue berufliche Aufgabe muss her, die Führungsrolle abgegeben werden, ein kompletter Ortswechsel vollzogen, kräftezehrende Freundschaften beendet, der Alltag mit Beruf und Familie für mehr Freizeit umgestaltet werden... Was auch immer es ist, wir merken einfach - so wie bisher geht es nicht mehr. Das was wir bisher okay fanden und ausgehalten haben frisst uns langsam aber sicher innerlich auf, zehrt an Nerven und Lebensfreude. Die Qual breitet sich langsam in unserem Körper aus, bis ganz klar ist - es geht so nicht mehr.

 

Doch wie angehen und umsetzen?

 

Radikal soll der Schnitt für manch einen sein. Mit Pauken und Trompeten die große Veränderung, klarer Abschluss des Bisherigen und absolute Ausrichtung auf das Neue. Nur durch die harte Veränderung scheint es möglich neue Wege zu beschreiten und sich auf die Neuausrichtung zu fokussieren. Ein Befreiungsschlag, der mit der alten Handhabung radikal bricht.

 

Für andere wiederum findet die Veränderung sanfter statt. In kleineren Schritten, die nach und nach erlauben mit allen Sinnen mitzukommen und über einen längeren Zeitraum zu neuen Gewohnheiten zu gelangen. Es werden kleinere Stellschrauben gedreht, die am Ende des Tages zum gleichen Ergebnis führen wie ein radikaler Schnitt, nur eben auf langsamere und ruhigere Art und Weise.

 

Welcher Weg ist für mich der richtige? Keine leichte Entscheidung, denn beide Methoden haben ihr für und wider. Welcher Typ bin ich und welche Situation benötigt welches Vorgehen? Wie viel Veränderung kann ich in welchem Zeitraum verarbeiten? Wie viel Mut bringe ich für welchen Schritt auf und was brauche ich, um auf meinem Weg stark und vollen Herzens am Ball zu bleiben?

 

Die Umgestaltung unseres eigenen Lebens hat meist auch Auswirkungen auf unser Umfeld, mal sind diese größer, mal kleiner. Das Konstrukt, in dem wir uns bewegen, bewegt sich mit. Rollen, die wir bisher gefüllt haben, passen nicht mehr zu uns und die Veränderung in eine andere Rolle wird auch eine Umstellung in unserem Umfeld erfordern. Gehe ich aus der reinen Rolle als Mutter und Hausfrau zurück in einen Beruf, wird die Haushaltsführung unter Umständen Mitarbeit von anderen erfordern. Stehe ich auf einmal für mich und meine Belange ein, wo ich früher zurückgesteckt habe, werden andere mehr Raum geben müssen. Vielleicht tauchen Neider auf, die uns daran hindern wollen unsere Wünsche in Taten umsetzen. Und selbstverständlich auch diejenigen, die sich in der Veränderung mit bewegen, unterstützen und sich freuen.

 

Was passiert, wenn ich vor der Veränderung zurück schrecke, vor dem Ungewissen? Irgendwann zurück blicke mit dem Gedanken "Ich habe es noch nicht einmal richtig probiert"? Was hält uns zurück in kleinen Geisha Schritten oder den Sieben-Meilen-Stiefeln unseren Weg zu gehen? Was ist, wenn ich es einfach ausprobiere und den ersten Schritt mache? ...