Burn and bore - Über Wege aus den Extremen


Diese Tage, an den wir schuften, schaufeln, machen und tun, arbeiten was das Zeug hält und trotz allem nicht fertig werden. Was auch immer wir tun, der Berg an Aufgaben wird nicht kleiner. Freude über erreichte Ziele – gibt es nicht. Abharken, weitermachen, nächste Aufgabe. Bloß keine Zeit verlieren, vielleicht schaffe ich es heute ja mal vor 20 Uhr aus dem Büro und doch noch zum Sport. Nutzlose Besprechungen halten mich auf, Konsens, gibt es nicht, eine Stunde verloren, Sport? Vielleicht morgen. Immerhin war ich heute

schon um 6 Uhr 30 im Büro, wenigstens zwei Stunden Zeit in Ruhe arbeiten zu können, bevor Geräuschpegel und Hektik im Büro akut ansteigen. Spontane Besprechung morgen mit dem Vorstand, Sport gestrichen, eine Präsentation muss her. Als ich gegen kurz vor 22 Uhr meine Wohnung betrete, schaffe ich es gerade noch meinen Mantel an die Garderobe zu hängen und falle dann erschöpft auf mein

Sofa. So geht das seit Monaten, keine Besserung in Sicht. Ich renne und renne, halte das Fähnchen hoch, wenn der Rest meines Körpers schon langsam am Untergehen zu sein scheint. Meine Augenränder gleichen denen eines Pandabären und lassen sich auch mit Makeup nicht mehr schönfärben, meine Freundschaften halte ich mit Ach und Krach am Leben, neue Bekanntschaften – keine Zeit! Die letzten Urlaube habe ich mit grippalen Infekten auf Hotelliegen am Pool verbracht, „Rache ist süß!“ sagte meine Körper und trat in den Streik.

 

Diese Tage, zäh wie Gummi, die Zeit schleicht, alle Arbeiten sind erledigt, proaktive Projekte nicht vorhanden, sämtliche Vorschläge für

weitere Aufgaben werden abgeschmettert, meine Schubladen habe ich diese Woche schon zwei Mal aufgeräumt, Bleistifte gespitzt, obwohl ich sie kaum benutze. Noch fünf Stunden bis Arbeitsende. Vorsichtshalber ein paar Excel-Tabellen auf dem Bildschirm offen, falls jemand guckt. Muss ja nicht jeder wissen, dass ich mich langweile. Alle Gespräche für mehr und tiefsinnigere Aufgaben, sie fruchten nicht. Neue Aufgabe, ich melde mich freiwillig, oh ein andere in Langeweile badender Kollege hat die Aufgabe bekommen. Ich verblöde. Meine

Lebenszeit ist vergeudet. Letzte Woche war kurz mehr zu tun, vielleicht bessert sich doch etwas, nein, seit Monaten keine Besserung in Sicht. Die Fehler in meinen Arbeiten häufen sich, es scheint als wäre mein Gehirn nicht mehr richtig aktiv. Ich bin träge, will etwas tun, einen Beitrag leisten, es ist wie angekettet einen Marathon laufen. Als der ersehnte Feierabend eintritt trotte ich nach Hause, bin kaputt, ausgelaugt, habe keine Energie mehr für nichts. „Freu dich doch, bekommst Geld für nichts“, erzählen mir Freunde, aber ich kann

mich nicht freuen. Das Gefühl nicht nützlich zu sein, meine Fähigkeiten nicht zum Einsatz zu bringen, alle Ansätze von Ideen im Keim erstickt zu bekommen, es lähmt mich, saugt mich aus, zieht mir sämtliche Energie.

 

Dass Symptome der akuten Langeweile und der von akuter Überbelastung sich sehr ähneln, belegen inzwischen diverseste Studien. Doch wie schaffe ich es diesem Hamsterrad zu entkommen? Work-Life-Balance scheint für Betroffene der höhnische Schlag ins Gesicht zu sein, das Knock-Out unter den Schlagwörtern. Denn wie leicht ist es wirklich diesem Kreislauf zu entfliehen? Als Außenstehender lassen sich hierzu leicht Ratschläge geben „Arbeite halt einfach weniger, dann geht es halt mal schief!“. „Meditiere doch, morgens ist da eine

super Zeit für.“ „Na und, machst Du halt was anderes im Büro bist du nach Hause kannst.“ Leichter gesagt als getan. Ist nicht die Frage hinter all dem, was uns tatsächlich dazu bewegt viele Situation so übermäßig lange auszuhalten? Was hält uns? Welches sind die eigentlichen Gedanken, die uns davon abhalten, aus diesem Kreislauf auszubrechen? Was ist für mich ein erster Schritt, der mich

auf eine neue Fährte führt und nicht mehr nur im Kreis herum? Und wie lange bin ich bereit zu warten und auszuhalten? Bis mir sämtliche körperlichen Signale um die Ohren fliegen? Mein Gehirn streikt und mich komplett in den Wahnsinn treibt? Wege aus der Misere gibt es viele. Der nachhaltigste jedoch wird der sein, in dem wir uns unseren eigenen Ressourcen bewusstwerden, unsere Lösung

definieren und die Dinge tun, die für uns gut sind. Um Klarheit und Ruhe zu gewinnen kann es helfen sich Unterstützung zur Seite zu nehmen, jemand der uns dabei hilft, mit Abstand auf Dinge zu schauen und uns so die Möglichkeit bietet, den für uns Best möglichen Weg selbst zu finden.