Hinschmeissen oder aushalten?


„Woanders is‘ auch Scheiße“, so der Wortlaut einer Postkarte, die unser Büro zierte. Sie klebte für jeden gut sichtbar am Bildschirm einer Kollegin und unterstrich den Galgenhumor, mit dem wir uns in den diversen Entlassungsphasen irgendwie über Wasser hielten. Ein Ansporn bis zum bitteren Ende im Elend weiterzumachen?

„Schmeiß doch hin, du bekommst ja erst einmal ein Jahr Arbeitslosengeld und sonst ziehst du halt wieder bei

deinen Eltern ein.“ Weisheiten und Lebenstipps einer Bekannten, als sich meine berufliche Karriere aufgrund von kaum noch auszuhaltenden siebzig Stunden-Wochen im Umbruch befand. „Merkwürdig!“, dachte ich so für mich, „Denn wie soll ich entspannt überlegen, was ich nun tue, wenn ich vom Amt angespornt werde mir einen Job zu suchen und meine finanziellen Rücklagen langsam dahinschwinden?“ Mal abgesehen davon fand ich die Vorstellung befremdlich meinen Lebensmittelpunkt nach 15 Jahren wieder 800 km weiter in den Süden zu verlegen, um mich in meinem ehemaligen Kinderzimmer mental zu sortieren und dabei das viel beschäftigte Rentner-Dasein meiner hoch aktiven Eltern zu stören.

Da stand ich nun, zwischen „Hinschmeißen und Prinzessin werden“ und „Woanders is‘ auch Scheiße“. Ratlos. Wo lauerten sie, die Gelegenheiten, die mir dauerhafte Glückseligkeit und ein Bad in nicht mehr endender Freude bescheren sollten? Denn immerhin war es das, was überall gut sichtbar in Werbung, Gazetten und sozialen Medien angepriesen wurde.

Diverse Schritte später wurde mir ziemlich klar, dass es diesen Zustand nicht gibt – dauerhafte Glückseligkeit und das Bad in der nicht endenden Freude. Denn so abwechslungsreich wie das Leben spielt sind nun einmal auch die Dinge, die passieren und die damit zusammenhängenden Gemütszustände. „Immer happy und voll gut drauf“ das gibt es einfach nicht. Emotionaler und mentaler Sturm und Regen gehören ebenso ins Repertoire wie Wonne Sonnenscheintage. Wichtiger erschienen mir die Fragen „Wie gehe ich damit um?“ und „Was eigentlich ist mir wichtig?“ Dauerhaft jammern und nichts zu tun erschien mir keine gute Lösung.

Nun. Was also tun, in Zuständen, in denen die Unzufriedenheit sich wie ein penetranter Untermieter einnistet? Aushalten? Hinschmeißen? Was genau ist es, dass mich so unzufrieden macht? Wo kommt sie her, die Unzufriedenheit und was lässt sich tun, um diese abzustellen? Zumindest in einen Zustand wandeln, der uns die meiste Zeit zufrieden sein lässt mit dem, was wir tun? Denn Hand aufs Herz, egal wofür wir uns entscheiden und was auch immer wir tun, es wird immer Tage geben, an denen auch die feinste Aufgabe ihre Schattenseite hat. Nicht immer ist es der riesen große Umbruch, der uns mehr Zufriedenheit bringt. Nicht zwangsläufig muss bei Unzufriedenheit im beruflichen Umfeld ein neuer Job her, nicht jeder fühlt sich mit einem Schritt in die Selbstständigkeit wohl. Nicht jeder bringt es fertig alles stehen und liegen zu lassen, um auf die andere Seite des Erdballs zu ziehen. Manchmal sind es auch einfach kleine Dinge, die Abhilfe schaffen. Oder eben ein kleiner

Schritt nach dem anderen. Der feste Entschluss etwas zu verändern und der nötige Mut dies auf die ganz eigene Art nach und nach in die Tat umzusetzen. Und so nach dem zu leben, was den ganz eigenen Werten und Vorstellungen entspricht.