Anhaltende Langeweile - ein Luxusproblem?


„Kann ich hier kündigen? Ich weiß nicht was ich hier soll!“, fragte er die Kollegin der Personalabteilung und schaute sie ausdruckslos an. Was nach einem allzu schlechten Scherz klingt, basiert auf einer wahren Begebenheit.

 

Dauerhafte Unterforderung und pures Absitzen von Arbeitszeit gehört tatsächlich viel häufiger zum Alltag vieler Arbeitnehmer als sich vermuten lässt. Dabei geht es nicht um einzelne unausgefüllte und ruhigere Tage, sondern den anhaltenden Zustand der Unterforderung, das chronische nicht in Anspruch nehmen des Intellekts. Beschränkt ist dieses Phänomen auch nicht auf bestimmte Arbeitsbereiche, es zieht sich quer durch alle Hierarchieebenen. Jammern auf hohem Niveau?

 

So wird es noch heute von einigen Menschen belächelt, „sei doch froh, du wirst doch gut bezahlt.“ Allein aufgrund des noch immer vorhandenen Abstempelns des Bore-Outs wird dieser Zustand durch Betroffene gerne versucht zu vertuschen. Doch das Gefühl der verschwendeten Lebenszeit, der Mangel an Sinnhaftigkeit und Wertschätzung der eignen Arbeit bohrt sich tiefer und tiefer wie ein Stachel. Studien zeigen inzwischen, dass die Auswirkungen eines solchen Zustands verheerend sein können:

-          Motivationsverlust, auch im außerberuflichen Kontext

-          Dauerhafte Müdigkeit und Schlafstörungen

-          Gereiztheit

-          Körperliche Beschwerden

-          Selbstzweifel

-          Gefühl der Nutzlosigkeit

 

Mitunter geht mit der anhaltenden Langeweile das Bewusstsein für die eigenen Stärken abhanden. Betroffene des Bore-Out haben häufig schon länger in ihren Situationen ausgeharrt, versucht diese selbst zu verbessern und stellen sich irgendwann die Frage „Was soll ich in einem Lebenslauf nennen, was ich hier die letzten Jahre getan habe?“

 

Der erste Schritt raus aus dieser Situation kann mitunter eine Herausforderung sein. In einer Leistungsgesellschaft, die überarbeiteten Überstundenschiebern noch immer anerkennend auf die Schulter klopft und chronische Langweile als Luxus auf hohem Niveau betrachtet, ist ein Outen der anhaltenden Unterforderung in vielen Fällen mit einem Schamgefühl behaftet. Dauerhaft ausharren und abwarten ist keine Lösung. 

 

 

Ist der Schritt sich im eigenen Umfeld dazu zu äußern zu groß, können neutrale Personen dabei unterstützen die Gegebenheiten genauer zu betrachten und Wege zu definieren, die wieder in ein zufriedenes und erfüllendes Umfeld führen. Wenn es im Zustand der Lethargie einen kleinen Motivationsschub gibt, nutzen Sie diesen für den ersten Schritt zur Veränderung.