Neuer Glanz in der Hütte


über äusseres und inneres aufräumen

Bei mir zu Hause glänzt es. Ich habe die ersten Tage der Isolation genutzt, um Häppchenweise Frühjahrsputz in meiner Wohnung durchzuführen. Inkludiert waren reichlich nervige Maßnahmen, wie Bücher von oben abstauben und Kammer aufräumen. Ecken und Kisten bekamen eine Aufmerksamkeit, die ich ihnen schon länger nicht mehr geschenkt hatte. Und was soll ich sagen? Meine Hütte erstrahlt in neuem Glanz, gefällt mir gut. Je mehr es äußerlich nichts mehr aufzuräumen gab, desto mehr zeigten sich innerliche Themen. Ohne Frage: das Leben wurde für uns alle einmal auf den Kopf gestellt, herausgepurzelt kommen Themen, die sich wie das staubige Sprungseil schon einige Zeit versteckt gehalten hatten. Während mir einige erzählen wie befreit sie sich mit den vielen Freiräumen im Kalender fühlen, berichten mir andere „wie schwer sie es gerade hätten“, weil die schon vorher vorhandene Unausgeglichenheit sich nun als weiterer Mitbewohner in der Wohnung breit macht. Doch wie ist das nun? Ist dies ein guter Zeitpunkt, um die herausgepurzelten Themen vor die Tür zu kehren oder ein guter Moment sich diese anzuschauen und sie einzuladen: „Erzähl doch mal!“

Realität und Spekulation – Was tun?

Da zeigt es sich also, das Thema, das sich bisher so vornehm im Hintergrund gehalten hat. In voller Größe macht es sich breit, Ängste rauben Schlaf und schüren Zweifel. Wie lässt sich damit umgehen?

Es gibt die Möglichkeit sich das Problem einzuverleiben. Einmal raufsetzen und voll reinziehen, eins werden damit. Die Ängste machen sich breit, weiten sich aus, holen die dunklen Farben aus dem Tuschkasten und malen Horrorszenarien in düsteren Farben. Realität und Spekulation vermischen sich zu einem Brei, der einen förmlich erstarren lässt.  

Eine weitere Option ist es das Thema mit ein wenig Abstand zu betrachten. Selbst in der kleinsten Hasenkiste könnte es am anderen Ende des Stalls sitzen, mit ein bisschen mentalem Raum dazwischen. Dann sind sie noch immer da, die Befürchtungen, was wohl wie werden wird. Der Abstand ermöglicht jedoch beim Hinschauen ein paar Fragen zu stellen und erlaubt Antworten zu finden. Es könnten Fragen sein wie:

  • Kann ich jetzt etwas tun, um die Situation zu verbessern?
  • Was hatte ich bisher schon in meinem Leben gemeistert, was mich jetzt auch durch die Situation tragen kann?
  • Wie kann ich akzeptieren was ist?
  • Was ist das Positive in dieser Situation?
  • Welche Chancen eröffnen sich jetzt für mich?
  • Wie kann ich mich auf meine Emotionen einlassen?
  • Was kann ich weiterhin positiv beeinflussen?

Ich bin der Überzeugung, dass Themen aus einem bestimmten Grund an die Oberfläche kommen. Es ist wichtig, sich auf die damit verbundenen Gefühle einzulassen. Ebenso wichtig ist es Obacht zu geben, dass diese Gefühle nicht die Oberhand über uns bekommen. Mehr ist es eine Beobachtung dessen, was sie mit uns machen. Haben sie körperliche Auswirkungen? Mehr mentale? Beeinflussen sie das rationale Denkvermögen? Es ist ok zwischendurch zu weinen, sich die Haare zu raufen oder laut Sch* zu schreien, genauso ok wie herzerfüllt über doofe Isolationswitze zu lachen. Unterdrückte Gefühle werden im Körper gespeichert, sie verschwinden nicht mit Zauberhand. Geben wir ihnen nicht den Raum da zu sein und sie zu integrieren, werden sie irgendwann mit voller Wucht an die Oberfläche kommen.

In der Betrachtung aus der Ferne liegt somit die Chance ein Thema von allen Seiten zu beobachten. Und somit auch Neues zu entdecken, was uns genau jetzt nützlich sein kann und dabei hilft weiter zu wachsen. Es bringt die Möglichkeit mit Themen aufzuräumen, die uns in unserem persönlichen Weiterkommen bisher zurückgehalten haben und uns genau jetzt erlauben weit über uns hinauszuwachsen. Der Glanz dessen, was dadurch ans Tageslicht kommt, mag nicht sofort zu erkennen sein. Doch er wird sich zeigen, wenn wir ihm den Raum geben sich zu entfalten.