Stressreduzierung beginnt mit Grenzen


über das erkennen, setzen und erweitern von grenzen

 

„Am Ende unserer Leben schauen wir verblüfft darauf zurück, wie viel Zeit wir für Dinge geopfert haben, die wir eigentlich überhaupt nicht tun wollten!“

 

Über diesen Satz bin ich neulich in einem Artikel gestolpert. Die ersten Gedanken blieben bei vertaner Zeit hängen, all die Dinge, die wir nicht tun wollen, die vermeintlich im Nichts enden, verplemperte Zeit. Doch nach näherer Betrachtung stellte sich auch die Frage, wie viele Dinge wir tun, weil andere sie von uns so erwarten, weil wir sie so gelernt haben, weil man uns eingetrichtert hat, dass dies die Anforderungen seien, Anforderungen die andere an uns haben. Und wie viel davon sind eigentlich eigene Entscheidungen, Anteile, die für einen persönlich wirklich wichtig ist?

 

Die Festlegung dieser persönlichen Grenzen sehen bei jedem anders aus. Wo sie liegen merken viele erst dann, wenn sie weit überschritten wurden. Durch einen selbst, getrieben nach mehr Leistung, Anerkennung, Wohlstand, Perfektion, dem Drang unerlässlich jedem helfen zu wollen, dem nicht zu erfüllenden Wunsch „fertig“ zu werden mit überfüllten To-Do-Listen. Durch andere, getrieben nach mehr Leistung, höheren Erwartungen, unerlässlichen und manchmal unmöglichen Forderungen und Anforderungen.

 

„Ich renne durch mein Leben, ständig will jemand etwas, hat Vorschläge, zerrt und zieht an mir!“, „Ich habe das Gefühl nie mit etwas fertig zu werden, ich mache vieles halbgar und ein bisschen, aber nichts richtig fertig.“, „Von all den Tausend Dingen, die ich jeden Tag erledige, ist der minimalste Bruchteil etwas, was mir wirklich Freude bereitet und für mich ist.“ Sätze, die in Coachings keine Seltenheit sind. Beispielhafte Aussagen derer, dessen größter Wunsch es ist zur Ruhe zu kommen. Zeit zu nehmen, um Klarheit zu gewinnen, zu sortieren, festzulegen was wirklich wichtig ist, was getan werden muss und was von der unerfüllbaren Liste der Anforderungen herunter genommen werden kann.

 

Die Auswirkungen der dauerhaften Grenzüberschreitungen zeigt sich in unterschiedlichen Facetten:

 

-          Auf körperlicher Ebene, unter anderem in Form dauerhafter Anspannung, Schlafstörungen, anderen Stresssymptomen

 

-          Auf mentaler Ebene, unter anderem in Form eines anhaltenden Affenzirkus im Hirn, innerer Unruhe oder Vergesslichkeit

 

-          Auf emotionaler Ebene, unter anderem in Form sich anschleichender Unzufriedenheit, Trauer, Aggression, oder anderen Anzeichen.

 

Doch muss es wirklich so weit kommen?

 

Persönliche Weiterentwicklung bedeutet immer ein Ausdehnen der eigenen Grenzen, das Beschreiten neuen Terrains, Erweitern der Komfortzone. Dazu lernen, Neues ausprobieren, unwissende Schritte im Neuland. Zu verstehen, wo Grenzen für einen selbst liegen, hilft dabei ein gesundes Maß an Entwicklung und Haushalten mit den eigenen Ressourcen zu finden. Sie zu kennen hilft dabei herauszufinden wie weit wir sie ausdehnen können, um bestimmte Dinge zu erreichen und eben auch dabei zu verstehen, wann sie dauerhaft und unter voller Anspannung überschritten werden und mehr Schaden anrichten als Gutes tun. Darüber hinaus hilft ein Wissen der eigenen Grenzen auch, diese klar für andere zu setzen und klar kommunizieren zu können.

 

Letzten Endes ist eines klar: die Entscheidung eigene Grenzen zu erkennen, diese bewusst zu erweitern oder bei Bedarf bewusst zu überschreiten sollte in allen Fällen lediglich bei einer einzigen Person liegen - einem selbst. Dies bewusst zu tun eröffnet ein Mehr an völlig neuen Möglichkeiten.

 

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