Stress als Maßstab?


über persönliche prioritäten

Erstaunlich. Es gibt sie noch immer, diejenigen, die anderen den Stempel des Nicht-Einsatzbereiten aufdrücken, wenn der Fokus nicht 24 Stunden am Tag auf der Arbeit liegt. Die meinen, Engagement hänge mit Arbeitszeit zusammen, Erreichbarkeit am Mobiltelefon und benötige persönliche Opfer. Die über andere urteilen, wenn diese für sich entschieden haben, dass ihnen andere Dinge im Leben mindestens genauso wichtig sind wie ihr Job oder sogar wichtiger sind. Braucht es sie wirklich, persönliche Opfer?

 

Es gebührt schon einer gewissen Arroganz darüber zu urteilen, wie jemand anderes die Prioritäten in seinem Leben setzt. Schließlich kann kaum einer hinter die Fassade des Körpers eines anderen Menschen schauen und mit einem Blick sehen, was denjenigen dazu bewegt die Entscheidungen zu treffen, die er oder sie für sich getroffen hat. Erfahrungen, Werte, Glaubenssätze und Achtsamkeit bewegen ihn oder sie dazu genau so zu handeln, wie sie es tun. Welche Träume jemand verfolgt liegt allein im Ermessen dieser einen Person, niemand anderem steht es zu darüber zu urteilen oder gar zu bemängeln, man solle andere Träume mit verfolgen und leben.

Stressfaktoren

Welche Risikofaktoren chronischer Stress, dauerhaftes Arbeiten und Leben gegen die eigenen Werte und das permanente Überschreiten der eigenen Grenzen mit sich bringt, zeigt sich in zahlreichen Studien:

  • Schlafstörungen
  • Essstörungen - sei es zu viel, zu wenig, zu ungesund
  • Diagnose Burn-Out
  • Gürtelrose
  • Herzinfarkte
  • Antriebslosigkeit
  • Innere Unruhe

Ein Auszug dessen, was ein Körper als Hilfeschreie von sich geben kann. Ein persönliches Opfer wert? Oder misst sich gute Arbeitsleistung nicht mehr an Inhalt und Ergebnis, als an der Zeit, die jemand am beruflichen Smartphone und im Büro verbringt und der vermeintlichen Opfer, die zu erbringen seien? Werden Stressoren permanent getriggert steigt der Stresspegel im Körper mehr und mehr an. Distress entsteht durch anhaltenden negativen Stress, was diesen auslöst ist bei jedem Menschen unterschiedlich und für Außenstehende nicht zu be- oder verurteilen.

Für viele ist ein hoher Stressfaktor schon so natürlich geworden, dass Abschalten die größte Herausforderung ist. Erst neulich sagte mir ein Klient, der es geschafft hatte, mehr Ausgeglichenheit in sein berufliches und privates Leben zu bringen, dass die größte neue Herausforderung war, die gewonnene Freizeit zu füllen. Oder eben einfach mal nichts zu tun. Und seinen Körper so langsam wieder auf ein entspanntes Level zu bringen, in dem Anspannung eine Ausnahme und kein Dauerzustand mehr war.

„Nur noch dieses eine Projekt.“ „Wenn ich es nicht mache, dann geht das aber den Bach herunter.“, „Ich tue das ja für die Firma und nicht für mich.“ Beispielhafte Formulierungen derer, für die das Entkommen aus Druck und anhaltendem Stress ein schier unmögliches Unterfangen schien. Am Ende steht es jedem frei für sich die Entscheidung zu treffen in diesem Zustand der permanenten Anspannung zu leben. Gleichzeitig steht es jedem frei für sich eine andere Entscheidung zu treffen und vielleicht heute den ersten Schritt zu tun aus dem Hochgeschwindigkeitsleben auszusteigen, um noch immer erfolgreich, dafür mehr ausgeglichen durchs Leben zu gehen.


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