Pausen machen - In der Pause liegt die Kraft


Ausgelöst durch einen Virus, bekommt die Pause derzeit eine neue Bedeutung. Es ist die Pause von persönlichen sozialen Kontakten, von Arbeitswegen, Dienstreisen, Freizeitaktivitäten und vielem mehr. Die Arbeit zog an Küchentische und Schreibtische zu Hause. Doch für einige Menschen blieb die Arbeit ruhen. Zu Hause ein zog stattdessen die Angst über Finanzielles, Existenzielles, Gesundheit, Freunde und Verwandte.

Für andere wiederum ist eine Pause in diesen Tagen nicht in Sicht. Menschen, die sich ohne Unterlass darum kümmern, dass andere Menschen versorgt sind.  Die nächste längere Pause wird dann der rettende Moment sein, aus dem sich neue Kraft schöpfen lässt.

 

Manch einem hat die extreme Ausnahmesituation mehr Zeit beschert. Arbeitswege fallen weg, das Sozialleben findet weitestgehend zu Hause statt und somit bietet diese Pause auch eine Chance. Sie ermöglicht denjenigen zur Ruhe zu kommen, die sich die Zeit hierfür zu selten nehmen. Sie erlaubt in sich hinein zu fühlen. Sie erfordert ein Umdenken. Sie gibt die Gelegenheit für sich Fragen zu beantworten, die schon eine Weile unbeantwortet waren.  

Was ist eigentlich eine richtige Pause?

Laut Definition des Dudens ist eine Pause eine kürzere Unterbrechung einer Tätigkeit, die der Erholung, Regenerierung oder Ähnlichem dienen soll. Eine Pause ist auch eine (unbeabsichtigte) kurze Unterbrechung, ein vorübergehendes Aufhören von etwas.

 

Aktive Pausen sind insbesondere für all jene, die viel am Schreibtisch und in Besprechungen sitzen, eine willkommene Abwechslung. Kurze Yoga-Einheiten, die Jogging-Runde in der Mittagspause oder der Spaziergang um den Block. Und auch jetzt, wo so viele Menschen zu Hause sitzen, sind aktive Pausen möglich. Das Internet bietet zahlreiche, kostenlose Inspirationen für aktive Pausen. Jane Fondas Fitness-Videos aus den 1980er Jahren lassen grüßen. J

 

Entspannungspausen zeichnen sich durch Ruhe aus. Momente ohne Nachrichten, Besprechungen, geschäftliche Telefonate. Zeit für Klönschnack mit Kollegen, ein paar tiefe Atemzüge am offenen Fenster oder einfach nur einen Augenblick dasitzen und nichts tun.

 

Nach einer Studie der BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) sind keine Unterschiede zwischen Aktiv- und Entspannungspausen zu erkennen. Eine Schablone für eine richtige oder falsche Pause gibt es demnach nicht. Die Wissenschaftler konnten jedoch erkennen, „dass Pausen in der Natur mit einer besseren Stimmung einhergehen und dass Pausen am Arbeitsplatz die subjektive Erholung einschränken.“

 

Was bringt eine Pause?

Gute Frage. Gemeinsam mit ihr möchte ich die Frage in den Raum stellen, was passiert, wenn keine Pausen eingelegt werden? Selbst dem berühmten, pinken Batterie-Hasen ging irgendwann zwischen zwei Schritten der Saft aus. Mental und physisch geschieht ohne Pausieren nichts anderes. Die menschliche Leistungsfähigkeit verläuft in einem Rhythmus von etwa 90 Minuten. Nach 70 Minuten stellt der Körper automatisch auf eine 20 Minütige Erholungsphase um, in der auch die Aufmerksamkeitsspanne reduziert ist.

 

Somit bringen Pausen vor allem Erholung für Körper und Geist. Sie ermöglichen auch einen Abstand zu gewinnen zu den Themen, mit denen wir uns beschäftigen. Dieser Abstand ermöglicht neue Perspektiven auf das Ganze zu bekommen, wodurch wiederum Raum für neue Ideen entstehen kann. Pausen tragen auch zur Entschleunigung bei. Sie geben uns die Möglichkeit in uns hinein zu fühlen und in regelmäßigen Abständen selbst die Frage zu stellen „Wie geht es mir?“.

 

Die BAuA  Studie wies auch auf negative Effekte hin, wenn Pausen von einer Aufgabe für andere Arbeiten genutzt werden. Die geistige und körperliche Entspannung findet dadurch nicht statt. Hält dies über einen längeren Zeitraum an, bleibt der Stresspegel im Körper ebenso lange hoch. Dies führt in absehbarer Zeit zu Erschöpfungserscheinungen, die schlimmstenfalls im Burnout enden können.

  

Um möglichst frisch, produktiv, inspiriert und aufmerksam den Arbeitsalltag erfüllen zu können, empfiehlt sich eine kurze Pausen zu jeder Stunde.  

 

Pausen nehmen bei Stress

Ich erinnere mich gut an Zeiten, an denen eine Pause während der Arbeitszeit undenkbar schien. Morgens ging ich mit dem Weckgesang der Amseln ins Büro und abends mit den Lauten der Nachtigall nach Hause. Ein schier unbändiges Frachtvolumen entfaltete sich als Füllhorn auf meinem Schreibtisch. Während einige meiner Kollegen sich in regelmäßigen Abständen zu Verschnaufpausen in einem kleinen, stickigen Raucherzimmer versammelten, nutze ich diese Zeit, um ein paar Schritte an der frischen Luft zu gehen. Ein Moment Abstand zu den Stapeln an Akten half mir mit frischer Klarheit weiterzuarbeiten.

 

In meiner Arbeit höre ich vermehrt Aussagen wie „Wo soll ich bei all der Arbeit und dem Stress eine Pause einlegen?“ oder auch „Wenn ich das nicht mache, dann bleibt es liegen.“ Dahinter verbergen sich Glaubenssätze, die Menschen dazu bewegen ihre Grenzen zu überschreiten. Diese Grenzüberschreitungen beinhalten auch selten oder gar keine Pausen einzulegen. In Gesprächen zeichnet sich dann häufig ein Erschöpfungsgrad ab, bei dem Körper und Geist permanent im negativen Stress auf Hochtouren fahren. 

 

Wie oben beschrieben brauchen wir alle von Natur aus regelmäßige Pausen. Es soll Kollegen geben, die Fragen in den Raum stellen, ob jemand sich denn eine Pause leisten könne. An der Stelle hilft ganz klar eine gesunde Ignoranz. Denn nichts in der Welt kann wichtiger sein als die eigene Gesundheit und gut auf sich selbst achtzugeben. Zur Aufrechterhaltung dessen gehören ohne Zweifel auch regelmäßige Pausen.